Interview
Den ersten Schrei seines Lebens tat
Andreas Müller am Bodensee, in Scherzingen in der
Schweiz am 9. Oktober 1951, 18.15 Uhr. Es ging es
zunächst mit Vater Heinrich Robert und Mutter Erna Mina
nach Genf, dann weiter nach Bern. Aufgewachsen
schlussendlich in der Ostschweiz im schönen Heiden über
dem Bodensee, wo die Primar- und Sekundarschule besucht
wurde, die, obschon keine Hausaufgaben gemacht wurden,
mit Erfolg abgeschlossen wurde. Die Lehre als Koch trat
er in Basel in der „Alten Bayrischen Bierhalle“ an und
schloss sie dort auch ab. Anschliessend einige Stellen
als Koch, Kellner, Gerant (Geschäftsführer eines
Restaurants). 1990 ist er dann durch die Firma „Swiss
Sales“ nach Thailand gekommen, um die Neueröffnung des
Hotels „Flora Beach“ in Ban Phe im F&B Bereich zu
organisieren. |
Seit wann lebst Du auf der Insel Samui?
Seit 13. Januar 1994, 12:40 Uhr.
Das Leben damals war anders?
Ja natürlich! Wir haben damals mehr Rucksacktouristen
gehabt, die heute nicht mehr so gerne gesehen werden. Die
Strassen waren mehr oder weniger Sandpisten, europäische
Lokale waren dünn gesät.
Man nennt Dich heute den ‚Gourmet Guru’. Wie kam es
dazu?
Eigentlich weiss ich das auch nicht so genau – ich wurde am
29. Januar 1998, am 60sten Geburtstag meiner Mutter, von
meinem Arbeitgeber auf Samui gefeuert – wieso weiss er sehr
wahrscheinlich genauso wenig wie ich. Weil ich zu der Zeit
weder Alkohol getrunken noch geraucht habe, kam mir diese
Entlassung sehr komisch und aus der Luft gegriffen vor. Aber
kein Problem. Da mir nichts Besseres passieren konnte und ich
eine weit blickende Frau geheiratet habe, kamen wir mit Ach
und Krach mit unserem ersten eigenen Restaurant über die
Runden! Gourmet Guru? Muss an dem „bisschen besser“ liegen,
als meine Konkurenten es an die Gäste bringen. Übrigens, bei
mir arbeiten zum Teil immer noch Leute aus unseren Anfängen –
seit 8 1/2 Jahren!
Welche Kundschaft frequentiert das ‚Chez Andy’?
Am Anfang eigentlich alle Urlauber, die ich in den Jahren
als Küchenchef im Hotel Beachcomber kennen lernen durfte. Sie
haben dann ihre Freunde und Bekannten informiert. So kam es
zum so genannten Schneeballeffekt. Im Weiteren habe ich Gäste,
die es schätzen, gute Qualität, freundlichen Service und
saubere Toiletten zu geniessen. Sicher sind wir nicht die
billigsten, aber die oben genannten Annehmlichkeiten müssen
auch eben bezahlt werden.
Ein Kollege nannte Dich den geborenen Wirt. Wie
betreust Du Deine Kunden?
Wie sich ein Berner gewohnt ist, seine Gäste zu betreuen,
ohne Überheblichkeit, schlicht und einfach natürlich. Ich
unterhalte mich mit meinen Gästen, trinke mit ihnen, manchmal
auch ein bisschen zu viel, aber durch das werde ich dann zum
Psychologen, Psychiater, Pfarrer, Friedensrichter u.s.w. und
so fort.
Welche Empfehlungen zu Unternehmungen gibst Du an
die Gäste weiter?
Unternehmen, die sich etabliert haben und vor allem
Restaurants und Hotels meiner Freunde und Kollegen.
Als Mitglied in vielen Organisationen auf Samui,
bleibt da noch Zeit fürs Geschäft?
Ja natürlich, die Zeit, die ich in diesen Organisationen
verbringe (Rotary International, SKAL – International
Associaton of Tourism Professionals, Samui Culinary Circle,
den ich auch mitgegründet habe) sind auch mehr oder weniger
Verbindungen zu meinem Geschäft. Interessant ist es vor allem,
kompetente Leute aus der Touristik- Branche kennen zu lernen.
Du hast ein zweites ‚Chez Andy’ in Korat und bist
Partner im ‚Sausolito’. Was kommt als nächstes?
Ok, Sausolito ist, wie Chez Andy, im Besitz meiner Frau und
mir. Wir haben keine Partner! Der Vorteil ist, dadurch auch
niemanden feuern zu müssen. Als nächstes – gute Frage?
Eigentlich weiss ich es schon! Aber meine Partnerin und Frau
noch nicht! Auf alle Fälle im sozialen Bereich (Nein doch,
keine Klappsmühle!!)
Hast Du ein Lebensmotto, eine Lebensphilosophie?
Ja, ganz klar – niemanden bescheissen, immer versuchen fair
zu sein – und den Lehren Buddhas zu folgen. Ausserdem meinen 3
Kindern die beste Ausbildung zu ermöglichen und niemandem auf
den „Sack“ zu gehen. (Auf die Nerven zu fallen. Anm. der
Redaktion)
Eine Anekdote aus dem Leben eines Wirtes auf Samui.
Zu wenig Platz im Farang. Du glaubst ja wohl nicht, dass
ich 13 meiner aufregensten und schönsten Jahre in meinem Leben
auf 30 Seiten niederschreiben kann.
Was unternimmst Du in Deiner Freizeit?
Familie, Reisen, Tauchen, Musik und Gästebetreuung.
Du hast viele Veränderungen auf Samui miterlebt.
Was hältst Du davon?
Einige sind OK, andere vielleicht ein bisschen unüberlegt.
Man schreibt derzeit nichts Gutes über die Insel.
Wie denkst Du darüber?
Ich weiss nicht, wie es dazu kommt, dass man auf eine so
perfide Art und Weise und zum Teil unwahr und unkompetent Koh
Samui in ein schlechtes Licht setzen will. Was ich nicht
verstehen kann, ist vor allem, dass es in einer Publikation
veröffentlicht wird, deren Gruppe auch mehrere Hotels in Samui
besitzt. Aber das wichtigste, was ich dazu zu sagen habe, ist:
Papier ist geduldig und nimmt auch, wie wir alle wissen, die
stinkenste Scheisse an (Toilettenpapier)!
Wirst Du auf Samui bleiben oder zieht es Dich
zurück in die Schweiz?
Ich versuche, auf Samui zu bleiben. Da meine Familie aber
aus dem Isaan (Nordosten Thailands) kommt und ich dort auch
ein Geschäft habe, könnte es möglich sein, dass ich meinen
Lebensabend dort verbringe. In die Schweiz zurück werde ich es
sehr wahrscheinlich nicht mehr schaffen. Dort werden nur noch
20jährige mit 30jähriger Berufserfahrung eingestellt.
|